Domitian von Kärnten

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Fresko in der Stiftskirche Millstatt
Ikone in der Stiftskirche in Millstatt, geschrieben von Juliet Venter 2025

Gedächtnis: 5. Februar

Der heilige Domitian von Kärnten († im 9. Jahrhundert), auch Domitian von Millstatt genannt, war ein slawischer Fürst beziehungsweise Edler, der zur Zeit Kaiser Karls des Großen in Oberkärnten wirkte. Gemeinsam mit seiner Gemahlin Maria wird er mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens in Kärnten verbunden. Er gilt als Begründer der ersten christlichen Kirche von Millstatt, wo seine Reliquien bis heute verehrt werden.

Vita

Domitian war ein slawischer Herzog beziehungsweise Edler, der nach älterer Überlieferung im 8. Jahrhundert lebte. Neuere historische Untersuchungen ordnen sein Wirken jedoch der Zeit Kaiser Karls des Großen (768–814) zu. Gemeinsam mit seiner Frau Maria empfing er die heilige Taufe. Nach einer älteren Überlieferung soll er von Chorbischof Modestus, dem großen Missionar Kärntens, getauft worden sein. Da Modestus bereits in der Mitte des 8. Jahrhunderts wirkte, ist diese Zuordnung jedoch chronologisch unsicher. Die mittelalterliche Lebensbeschreibung berichtet hingegen, dass Domitian in Salzburg getauft wurde und anschließend in seine Heimat zurückkehrte, wo er sich für die Ausbreitung des christlichen Glaubens unter seinem Volk einsetzte.

Zum christlichen Glauben bekehrt, ließ er der Legende nach tausend heidnische Götzenstatuen, also mille statuae, vernichten und ein heidnisches Heiligtum in eine christliche Stätte umwandeln. Von mille statuae leitet die mittelalterliche Überlieferung auch den heutigen Ortsnamen Millstatt ab. Diese Namensdeutung ist allerdings volksetymologisch und historisch nicht gesichert. Die Erzählung bringt dennoch die Bedeutung zum Ausdruck, die Domitian in der kirchlichen Überlieferung als Förderer der Christianisierung Oberkärntens zukommt.

In Millstatt ließ Domitian eine christliche Kirche errichten beziehungsweise ein bestehendes Heiligtum für den christlichen Gottesdienst umgestalten. Archäologische Funde, darunter karolingische Flechtwerksteine aus dem 8. und 9. Jahrhundert, bezeugen, dass sich an diesem Ort bereits lange vor der mittelalterlichen Klostergründung eine christliche Kirche befand. Die Verbindung dieser frühen Kirche mit Domitian wird auch durch die älteste erhaltene Lebensbeschreibung gestützt, die um 1170 entstand. Ein Fragment seiner ursprünglichen Grabinschrift aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, das im Stiftsmuseum Millstatt aufbewahrt wird, enthält einen Hinweis auf die Regierungszeit Karls des Großen und gilt als wichtiges Zeugnis für seine historische Existenz.

Nach seinem Hinscheiden wurde Domitian der Überlieferung zufolge zunächst in einer kleinen Grabkapelle neben der Kirche beigesetzt. Die Verehrung des Domitian begann bald nach seinem Tode. Viele Jahrhunderte hindurch kamen Pilger aus nah und fern zu diesem Ort der Gnade. Seine Grabstätte entwickelte sich zu einem Mittelpunkt der örtlichen christlichen Frömmigkeit, und zahlreiche Gläubige suchten dort seine Fürbitte.

Als im 11. Jahrhundert in Millstatt ein Benediktinerkloster gegründet wurde, bestand die Erinnerung an Domitian als Begründer der ursprünglichen Kirche bereits seit langer Zeit. Der erste Abt Martin ließ seine Reliquien erheben und in die Kirche übertragen. Unter Abt Otto wurden sie um 1130/1140 in einen neuen romanischen Reliquienschrein gelegt, der bis heute erhalten geblieben ist und zu den ältesten erhaltenen Reliquienschreinen dieser Art zählt. Mit dieser Übertragung erlebte seine Verehrung einen erneuten Aufschwung. Die mittelalterliche Vita berichtet von zahlreichen Wundern und Gebetserhörungen, die sich auf seine Fürbitte ereignet haben sollen.

Ein besonders frühes Zeugnis seiner liturgischen Verehrung findet sich im Millstätter Sakramentar aus der Zeit um 1160. Dort ist sein Gedächtnis am 5. Februar mit den Worten Domiciani ducis, also „des Herzogs Domitian“, eingetragen. Auch das älteste Nekrolog des Klosters aus dem 12. Jahrhundert nennt ihn unter diesem Datum als Domicianus dux fundator huius ecclesiae, „Domitian, Herzog und Gründer dieser Kirche“. Diese Eintragungen bezeugen, dass Domitian bereits im Hochmittelalter als heiliger Gründer der Kirche von Millstatt verehrt wurde.

Am 27. Juni 1441 ließ Bischof Johannes Schallermann von Gurk die im Reliquienschrein aufbewahrten Gebeine untersuchen. Dabei wurden die sterblichen Überreste eines Mannes, einer Frau und eines Kindes festgestellt. Nach der örtlichen Überlieferung handelte es sich um die Reliquien Domitians, seiner Gemahlin Maria und eines Knaben, der als ihr Kind angesehen wurde. Der Bischof ließ über die Untersuchung und die Übertragung der Reliquien eine Urkunde ausstellen. Diese bildet ein bedeutendes Zeugnis für die fortdauernde Verehrung des Heiligen und seiner Familie.

Im 15. Jahrhundert wurde Domitian mehrfach bildlich dargestellt. Eine Grabplatte aus dem Jahre 1449 zeigt ihn in ritterlicher Rüstung und bezeichnet ihn als Herzog der Noriker und Gründer von Millstatt. Im Jahre 1492 ließ Johann Siebenhirter, der erste Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, für ihn ein Hochgrab errichten. Auch in der Stiftskirche Millstatt entstanden Darstellungen, die seine Bedeutung als christlichen Landesfürsten und Kirchenstifter hervorhoben.

Im 17. Jahrhundert wurde seine Verehrung besonders durch die Jesuiten gefördert. Im Jahre 1632 wurde eine eigene Kapelle zu seinen Ehren eingerichtet, in die auch seine Reliquien übertragen wurden. Seit 1716 werden diese in der Domitiankapelle südlich der Stiftskirche aufbewahrt, wo sie bis heute in einem Glassarkophag auf dem Altar verehrt werden. Die Wallfahrten zu seinem Grab zogen über viele Jahrhunderte Gläubige aus Kärnten und den benachbarten Ländern an.

Domitian gilt als Gründer von Millstatt und ist noch heute Schutzpatron dieses Ortes. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde er auch als Landespatron von Kärnten verehrt. Seine Verehrung blieb trotz der Veränderungen im kirchlichen und politischen Leben über die Jahrhunderte erhalten. Die Erinnerung an ihn verbindet sich besonders mit der frühen Christianisierung Kärntens, der Gründung der Kirche von Millstatt und dem Fortbestehen des christlichen Glaubens in dieser Region.

Quellen: Vita et miracula beati Domitiani ducis Carantanorum; Millstätter Sakramentar um 1160; Franz Nikolasch, Untersuchungen zur Verehrung und Reliquiengeschichte des heiligen Domitian von Millstatt; Franz Glaser, archäologische Untersuchungen zur Grabinschrift Domitians; Stiftsmuseum Millstatt, Domitian von Millstatt.